AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Rede zum 81. Jahrestag der NS-Befreiung
Heinz-Walter Koch IIAfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Rede zum 81. Jahrestag der NS-Befreiung
Im Mai 2026 hielt Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, eine umstrittene Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus. Seine Äußerungen stellten das historische Selbstverständnis der Bundesrepublik nach 1945 infrage und forderten eine Neuausrichtung der nationalen Identität und Erinnerungskultur.
Tillschneider erkannte zwar die Befreiung von der NS-Herrschaft an, deutete die militärische Niederlage Deutschlands jedoch als Verlust kulturellen Territoriums. Er sprach von einer „Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“. Im weiteren Verlauf seiner Rede kritisierte er, was er als „absurde Schuldkultur“ und „imaginäre Kollektivschuld“ bezeichnete – Begriffe, mit denen er die seit Jahrzehnten etablierte deutsche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit abtat.
Darüber hinaus lehnte er Richard von Weizsäckers historische Rede von 1985 als „geistige Kapitulation“ ab. Stattdessen zitierte er Franz Josef Strauß und argumentierte, die ständige „Aufarbeitung der Vergangenheit“ sei zu einer „dauernden Buße“ verkommen. Tillschneider behauptete, die Deutschen hätten sich im Nachhinein mit den alliierten Siegermächten solidarisiert, um Schuldgefühle zu vermeiden, statt sich ehrlich mit der Geschichte auseinanderzusetzen.
Seine Vision für Deutschland basierte auf einer „normalen deutschen Identität“, die sich von dem nach 1945 geprägten historischen Rahmen lösen solle. Die AfD in Sachsen-Anhalt, so Tillschneider, strebe an, diese grundlegenden Säulen zu demontieren. Zum Abschluss seiner Ausführungen warnte er, der aktuelle Kurs der AfD werde nicht zu einer „stolzen Zukunft“ führen, sondern das Land vielmehr in eine geistige Isolation zurückdrängen.
Tillschneiders Äußerungen stellen eine direkte Herausforderung der etablierten deutschen Erinnerungskultur dar. Indem er die Prinzipien von Schuld, Niederlage und Versöhnung infrage stellt, reiht sich seine Rede in die breiten Bestrebungen der AfD ein, historische Narrative umzudeuten. Die Aussagen lenken den Blick auf die anhaltenden Versuche der Partei, die nationale Identität neu zu definieren.






