Gewalt gegen Bahnmitarbeiter: Über 3.000 Angriffe pro Jahr – und es wird schlimmer
Heinz-Walter Koch IIGewalt gegen Bahnmitarbeiter: Über 3.000 Angriffe pro Jahr – und es wird schlimmer
Angriffe auf Bahnmitarbeiter in Deutschland haben sich im letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt. Allein im vergangenen Jahr wurden über 3.000 Vorfälle registriert – im Schnitt acht pro Tag. Zugbegleiter beschreiben ihre Schichten im Personalshop zunehmend als unberechenbar und gefährlich.
Zwischen 2018 und 2022 stiegen die gemeldeten Übergriffe kontinuierlich von 1.338 auf 3.012 Fälle an. Dieser Anstieg um mehr als 125 Prozent in nur fünf Jahren spiegelt einen besorgniserregenden Trend zu mehr Aggression in Zügen wider. Die meisten Vorfälle ereignen sich nachts und setzen das Personal auf Spätschichten in der Bahnde besonderer Gefahr aus.
Die Zugbegleiter Jalal Youssef und Nicole Arnold berichten, dass Angst mittlerweile zu ihrem Arbeitsalltag gehört. Der Tod ihres Kollegen Serkan C. bei einer Ticketkontrolle hat ihre Sorgen noch verstärkt. Arnold trägt inzwischen eine Körperkamera, um Angreifer abzuschrecken und Konflikte zu dokumentieren.
Auch Fahrgäste beobachten die zunehmende Spannung. Sowohl Mitarbeiter als auch Reisende berichten von häufigeren verbalen Bedrohungen und handgreiflichen Auseinandersetzungen. Youssef und Arnold fordern dringend besseren Schutz, mehr Personal und modernere Technik, um die Entwicklung umzukehren.
Angesichts der Gewaltwelle haben Zugbegleiter ihre Arbeitsgewohnheiten angepasst. Körperkameras und erhöhte Wachsamkeit sind mittlerweile üblich – doch viele verlangen nach noch strengeren Maßnahmen. Ohne Gegenwehr dürften die Risiken für Bahnmitarbeiter weiter steigen.
Bahn-Chef kündigt Sicherheitsgipfel nach tödlichem Angriff auf Mitarbeiter an
Der Chef der Deutschen Bahn hat für den 13. Februar 2026 einen Sicherheitsgipfel einberufen, um die eskalierende Gewalt gegen das Personal zu bekämpfen. Wichtige Entwicklungen sind:
- Evelyn Palla bestätigte, dass der Gipfel die Regierung, die Polizei und die Gewerkschaften einbeziehen wird, um die Sicherheitsprotokolle zu überarbeiten.
- EVG-Vorsitzender Martin Burkert bezeichnete den jüngsten Mord an dem Zugbegleiter Serkan C. als 'klaren Wendepunkt' und forderte verpflichtende Bodycams und eine erhöhte Personalstärke.
- Der Angreifer, ein 26-jähriger griechischer Staatsbürger ohne deutschen Wohnsitz, muss sich nun wegen versuchten statt wegen fahrlässigen Totschlags verantworten.