Handwerksstreit eskaliert: ZDH reformiert Satzung und stellt ZDK vor Ultimatum
Heinz-Walter Koch IIHandwerksstreit eskaliert: ZDH reformiert Satzung und stellt ZDK vor Ultimatum
Die Spannungen zwischen dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und dem Zentralverband Deutscher Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) haben einen Höhepunkt erreicht und zu weitreichenden Satzungsreformen geführt. Die im Januar beschlossenen Änderungen zielen darauf ab, die Governance-Strukturen und Mitgliedschaftsregeln neu zu ordnen. Doch bleibt ein kleines Zeitfenster für eine Versöhnung – vorausgesetzt, der ZDK akzeptiert die neuen Bedingungen, die von Bonn vorgegeben wurden.
Der Konflikt eskalierte, nachdem der ZDK Anspruch auf 95 Prozent der Mitgliedsbeiträge des ZDH erhoben hatte, was zu juristischen Auseinandersetzungen führte. Als Reaktion führte der ZDH eine neue Beitragsstruktur ein und schuf direkte Wege für Betriebe, sich der Bonner Zentrale anzuschließen. Dieser Schritt soll verhindern, dass Innungsbetriebe isoliert werden, falls sich ihre Landesverbände zurückziehen.
Die Reformen beenden zudem die gemeinsame Personalunion in den Gremien und erzwingen eine klare institutionelle Trennung. Nach den neuen Regeln soll nur noch ein Mitglied aus der Handwerksführung kommen – statt der bisher garantierten drei Sitze und eines Vizepräsidiums für den ZDK. Der ZDH betont zwar, dass Führungspositionen weiterhin für Vertreter der Branche offenstehen, diese künftig aber über die Mitgliederversammlung entschieden werden.
Obwohl der Streit um die Abgasuntersuchungsgebühren (AU) rechtlich beigelegt wurde, bestehen tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten fort. ZDH-Präsident Thomas Peckruhn und Hauptgeschäftsführer Jürgen Hasler präsentieren die Änderungen als Schritt zu mehr Transparenz und einer besseren Anpassung an die "branchenrealitäten". Gleichzeitig plant der ZDH, in den betroffenen Regionen die Aufklärungsarbeit zu verstärken, um die Folgen eines möglichen Austritts zu erläutern.
Die Tür für eine Zusammenarbeit steht noch einen Spalt offen – allerdings nur, wenn der ZDK die richtliniengebende Autorität des ZDH anerkennt. Die Reformen markieren eine entscheidende Wende in der Verbandsführung, bei der der ZDH die Kontrolle über Mitgliedschaft und Führungsstrukturen strafft. Wie der ZDK reagiert, wird zeigen, ob die Zusammenarbeit wiederaufgenommen wird – oder ob die Spaltung endgültig wird.