Hettich-Mitarbeiter verzichten freiwillig auf Gehaltserhöhung um Millionen zu sparen
Beatrix FiebigHettich-Mitarbeiter verzichten freiwillig auf Gehaltserhöhung um Millionen zu sparen
Tausende Beschäftigte des Möbelzulieferers Hettich haben sich bereit erklärt, eine anstehende Gehaltserhöhung zu verschieben. Die ursprünglich für den 1. April vorgesehene Erhöhung um 3,1 Prozent wird nun um ein Jahr aufgeschoben. Das Unternehmen begründet diesen Schritt mit Einsparungen in Höhe mehrerer Millionen Euro angesichts anhaltender finanzieller Schwierigkeiten.
Hettich hatte die Verschiebung vorgeschlagen, nachdem es auf schwache Rentabilität in der gesamten Möbelbranche verwiesen hatte. Den Mitarbeitenden wurde die Möglichkeit eingeräumt, den Plan individuell anzunehmen oder abzulehnen. Laut Unternehmensangaben haben mindestens 90 Prozent der Belegschaft dem Aufschub zugestimmt und verzichten damit in den kommenden zwölf Monaten auf jeweils über 1.000 Euro.
Die Entscheidung stößt bei der Gewerkschaft IG Metall auf Kritik, die Hettich vorwirft, Druck auf die Beschäftigten auszuüben. Das Unternehmen wies diese Vorwürfe zurück und betonte, die Teilnahme sei freiwillig gewesen. Unterdessen kämpft die gesamte Branche mit Rückgängen: So verzeichnete etwa das Unternehmen Homann Holzwerkstoffe sinkende Gewinne – das bereinigte EBITDA fiel von 56,3 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 38,2 Millionen Euro 2025, bedingt durch steigende Kosten und Verluste in einem neuen Werk in Litauen.
Auch die Verbraucherpreise sind stark angestiegen: Der Index erreichte im Februar 2026 123,1 Punkte – ein Anstieg um 20,8 Prozent seit 2020. Die Kombination aus höheren Kosten und schrumpfenden Margen setzt die Hersteller weiter unter Druck und könnte zu Stellenabbau und geringeren Investitionen führen.
Der Lohnverzicht bei Hettich unterstreicht die finanziellen Belastungen, denen sich die deutsche Möbelindustrie gegenübersieht. Durch die Zustimmung der meisten Beschäftigten erwartet das Unternehmen erhebliche Einsparungen. Ungewiss bleibt jedoch, welche langfristigen Auswirkungen dies auf die Löhne und die Stabilität der Branche haben wird.






