Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis nach Jahren im belarussischen Gefängnis
Stjepan HeinrichSpätverleihung des Karlspreises an belarussische Oppositionsfigur Kolesnikova - Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis nach Jahren im belarussischen Gefängnis
Maria Kolesnikowa, eine führende Persönlichkeit der belarussischen Oppositionsbewegung, hat den Internationalen Karlspreis endlich persönlich entgegennehmen können. Die Auszeichnung, die ihr 2022 während ihrer Haftzeit zuerkannt wurde, würdigt ihren Einsatz für Demokratie und freie Wahlen. Ihre Entlassung aus einer belarussischen Strafkolonie Ende 2025 ermöglichte es ihr, an diesem Wochenende an der feierlichen Verleihung in Aachen teilzunehmen.
Kolesnikowa war 2020 nach Massenprotesten gegen den langjährigen Machthaber Belarusslands, Alexander Lukaschenko, festgenommen worden. Ein Gericht verurteilte sie wegen ihrer Rolle bei den Demonstrationen zu elf Jahren Haft in einer Strafkolonie. Trotz der harten Bedingungen blieb sie ein Symbol des Widerstands gegen Lukaschenkos autoritäres Regime.
Der seit 1950 verliehene Karlspreis ehrt Persönlichkeiten, die sich für die europäische Einigung und demokratische Werte einsetzen. Zu den früheren Preisträgern zählen Papst Franziskus, Emmanuel Macron und Bill Clinton. Kolesnikowa wurde für ihren "außergewöhnlichen Mut" ausgezeichnet, mit dem sie sich unter Repression für die Menschenrechte einsetzt.
Ihre Freilassung im Dezember 2025 erfolgte nach Vermittlung der Vereinigten Staaten. Nach ihrer Ausreise aus Belarus erhielt sie in Deutschland Asyl, wo sie nun auf die Gewährung politischen Asyls wartet. Bei der Verleihung am Samstag im Aachener Krönungssaal bezeichnete sie den Preis als "enorme Ehre" und ein "kraftvolles Zeichen der Solidarität" aus Europa.
Unterdessen hält Lukaschenko Belarus weiterhin mit harter Hand im Griff. Seit Kolesnikowas Freilassung hat die Regierung die Repression verschärft: Unabhängige Medien werden als extremistisch eingestuft, politische Verhaftungen nehmen zu. Der Internationale Strafgerichtshof prüft zudem Berichte über erzwungene Abschiebungen von Oppositionellen aus Belarus.
Die Verleihung des Karlspreises an Kolesnikowa fällt in eine Zeit zunehmender internationaler Isolation Belarusslands. Deutschland und die Schweiz haben wegen der instabilen Lage Reisewarnungen ausgesprochen, während das Land seine militärischen Bindungen zu Russland vertieft. Die Preisverleihung in Aachen unterstrich ihren anhaltenden Kampf – aber auch die anhaltende Unterdrückung in ihrer Heimat.