NDR kämpft um unzensierten Reichelt-Bericht – Justizsystem in der Kritik
Beatrix FiebigNDR kämpft um unzensierten Reichelt-Bericht – Justizsystem in der Kritik
Vier Jahre nach den ersten Enthüllungen des Spiegel über Vorwürfe gegen den Journalisten Julian Reichelt ist der Rechtsstreit noch immer nicht beigelegt. Nun drängt der Norddeutsche Rundfunk (NDR) auf ein vollständiges Gerichtsverfahren, um die zensierten Passagen seiner Untersuchung aus dem Jahr 2023 wiederherzustellen. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die zähe Gangart des deutschen Justizsystems, insbesondere bei presserechtlichen Auseinandersetzungen.
2023 hatte die ARD-Sendung Reschke Fernsehen einen Bericht ausgestrahlt, in dem Reichelt vorgeworfen wurde, Affären mit Untergebenen gehabt und Frauen zu sexuellen Beziehungen gedrängt zu haben. Laut dem Beitrag sollen mehrere Mitarbeiterinnen des Verlags Axel Springer nach internen Aussagen berufliche Nachteile erlitten haben. Reichelt weist die Vorwürfe seit jeher zurück und stellt sich als Opfer einer gezielten politischen Kampagne dar.
Die Ausstrahlung wurde jedoch teilweise zensiert, nachdem Reichelt eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte. Zentrale Abschnitte wurden geschwärzt, und die vollständige Sendung ist nicht mehr in der ARD-Mediathek abrufbar, da die zweijährige Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist. Dennoch gibt der NDR den Fall nicht auf.
Der Sender treibt die Angelegenheit nun vor Gericht voran und plant, Zeugen zu laden – darunter eine Frau, die behauptet, Reichelt habe sie zu einer sexuellen Beziehung genötigt. Das Verfahren droht sich hinzuziehen und bestätigt damit Deutschlands Ruf für langwierige juristische Auseinandersetzungen, besonders in medienrechtlichen Fragen.
2026 wird der Fall weiterverhandelt, während der NDR darauf pocht, die geschwärzten Teile seines Berichts wiederherzustellen. Reichelt beteuert weiterhin seine Unschuld, der Sender hingegen will seine journalistischen Erkenntnisse verteidigen. Das Urteil könnte wegweisend für die Behandlung ähnlicher Konflikte in der deutschen Medienlandschaft werden.






