12 March 2026, 10:10

Wie Sachsen-Anhalts Nachbarschaftshilfen Einsamkeit im Alter durchbrechen

Ein Plakat, das Hannover, Deutschland bewirbt und ein paar Gebäude, Bäume und Text zeigt, der Informationen über die Stadt enthält.

Nachbarschaftshilfe wächst in Sachsen-Anhalt - Wie Sachsen-Anhalts Nachbarschaftshilfen Einsamkeit im Alter durchbrechen

In Sachsen-Anhalt wächst ein Netzwerk ehrenamtlicher Helfer, die ältere und pflegebedürftige Menschen mit ihrem Engagement im Alltag unterstützen. Die sogenannten Nachbarschaftshilfen übernehmen Botengänge, helfen im Haushalt oder schenken einfach Gesellschaft. Eine von ihnen ist die 60-jährige Kerstin Kränzel, die ihren Ruhestand nutzt, um anderen beizustehen – so wie einst Nachbarn in den eng verbundenen Wohngemeinschaften der DDR für sie da waren.

Die Initiative hat in den vergangenen Jahren stark an Fahrt aufgenommen. Noch 2023 nutzten nur 299 Menschen in Sachsen-Anhalt solche Nachbarschaftshilfen, doch inzwischen ist die Zahl auf 1.814 gestiegen. Über 4.000 Ehrenamtliche haben sich allein in der Region registriert – 70 Prozent von ihnen sind Frauen, viele im Ruhestand oder kurz davor.

Auch die Schulungen für neue Helfer wurden ausgeweitet. In diesem Jahr sind 97 Kurse geplant, jeweils 45 Minuten lang und achtmal angeboten. Die Freiwilligen lernen, welche Aufgaben sie übernehmen dürfen – etwa Einkäufe erledigen oder Begleitung zu Terminen – und wo ihre Grenzen liegen, etwa bei pflegerischen oder medizinischen Tätigkeiten.

Kränzels eigenes Engagement zeigt, wie persönlich die Hilfe wirken kann. Jede Woche geht sie mit einer älteren Frau mit eingeschränkter Mobilität einkaufen. Für beide sind diese Ausflüge mehr als nur praktische Unterstützung – sie bieten soziale Kontakte und ein Gefühl der Verbundenheit.

Doch trotz der großen Nachfrage gibt es weiterhin Hürden. Scham und mangelnde Aufklärung halten manche davon ab, Hilfe in Anspruch zu nehmen – selbst wenn sie Anspruch auf finanzielle Unterstützung hätten. Die Pflegeversicherung gewährt bis zu 131 Euro monatlich für Nachbarschaftshilfen, doch viele beantragen diesen Entlastungsbetrag nicht. Ähnliche Modelle gibt es auch in anderen Bundesländern wie Bayern, Hessen und Berlin, wo geschulte Ehrenamtliche Alltagshilfe anbieten, die über dasselbe System finanziert wird.

Der Aufstieg der Nachbarschaftshilfen zeigt einen einfachen, aber wirksamen Weg, um Einsamkeit im Alter zu bekämpfen. Mit Tausenden registrierten Helfern in Sachsen-Anhalt und lokalen Initiativen, die sich bundesweit ausbreiten, verbindet das Modell praktische Unterstützung mit menschlicher Nähe. Dennoch bleiben Herausforderungen – denn viele, die Anspruch auf Hilfe hätten, zögern noch, sie anzunehmen.

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