30 March 2026, 00:12

"Wir wollten weg": Ein DDR-Flüchtling bricht sein Schweigen über Haft und Verfolgung

Deutscher Revolution 1910 Plakat mit Text, einer Krone und einer Gruppe von Menschen.

"Wir wollten weg": Ein DDR-Flüchtling bricht sein Schweigen über Haft und Verfolgung

Ein neues Memoir lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf das unbewältigte Erbe des SED-Regimes in der DDR. "Wir wollten weg" von Peter Niebergall schildert seine Verhaftung, den Prozess und die Haftstrafe im Jahr 1983, nachdem er versucht hatte, in die Bundesrepublik überzusiedeln. Das Buch entfacht zugleich die Debatte über die anhaltenden Schwierigkeiten der Linken, sich umfassend mit ihrer kommunistischen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Peter Niebergall wuchs in der DDR auf und absolvierte an der Universität Rostock eine Ausbildung zum Landschaftsingenieur. Später arbeitete er beim VEB Meliorationsbau in Cottbus. 1968 erlebte er die von der Sowjetunion geführte Niederschlagung des Prager Frühlings in der Tschechoslowakei mit – ein Ereignis, das seine Entfremdung vom Regime vertiefte.

Im August 1983 beantragten Niebergall und seine Frau Heidi die Ausreise in die Bundesrepublik. Kurze Zeit später wurden sie vom Ministerium für Staatssicherheit festgenommen. Am 27. Oktober desselben Jahres verurteilte das Bezirksgericht Berlin-Pankow Niebergall wegen "staatsfeindlicher Hetze" zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung.

Der Staatsanwalt in Niebergalls Verfahren war Ekkehard Kaul, der später in der wiedervereinigten Bundesrepublik selbst vor Gericht stand. 1998 verurteilte ihn das Landgericht Berlin wegen Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten.

Niebergalls Erinnerungen liefern heute eine detaillierte Schilderung des Lebens unter der SED-Diktatur. Gleichzeitig werfen sie grundsätzliche Fragen der historischen Aufarbeitung auf. Kritiker, darunter Opferverbände wie die Robert-Havemann-Gesellschaft, werfen der Linken – der Nachfolgepartei der SED-PDS – seit Langem vor, die Verbrechen des Regimes zu verharmlosen. Selbst bis 2026, so Beobachter, bestehe eine anhaltende Lücke in der Auseinandersetzung der Partei mit ihrer autoritären Vergangenheit.

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Die Veröffentlichung von "Wir wollten weg" ergänzt die wachsende Zahl persönlicher Zeugnisse aus der zweiten deutschen Diktatur. Niebergalls Geschichte sowie die anhaltenden juristischen und politischen Debatten unterstreichen die Herausforderungen bei der Aufarbeitung der geteilten Vergangenheit. Für viele Opfer bleibt eine vollständige Anerkennung ihres Leidens bis heute unvollendet.

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