Deutschland droht Ende 2024 ein neuer Inflationsschock von 4,6 Prozent
Beatrix FiebigDeutschland droht Ende 2024 ein neuer Inflationsschock von 4,6 Prozent
Deutschland könnte Ende 2024 einen erneuten starken Inflationsanstieg erleben, mit einer erwarteten Rate von 4,6 Prozent im Dezember. Der Preisschub folgt auf die jüngsten Spannungen im Persischen Golf nach einem US-Angriff auf den Iran und belastet die ohnehin fragile Wirtschaft zusätzlich. Ökonomen warnen, dass schwaches Wachstum in Kombination mit steigenden Preisen die Europäische Zentralbank (EZB) vor schwierige Entscheidungen stellen könnte.
Die aktuelle Inflationsprognose stammt vom Kölner Institut für Wirtschaftsforschung (IW), das seine Vorhersagen nach oben korrigiert hat. Für 2026 wird nun eine durchschnittliche Teuerungsrate von 3,5 Prozent erwartet – ein deutlicher Anstieg gegenüber den im März prognostizierten 2,7 Prozent. Das IW stützt seine Schätzungen auf die Entwicklungen während der Energiekrise 2022, als die Inflation auf über 10 Prozent kletterte, bevor sie im Jahresdurchschnitt bei 6,9 Prozent lag.
Haupttreiber des erwarteten Preissprungs ist die eskalierende Krise im Persischen Golf. Als Reaktion hat die Bundesregierung kurzfristige Entlastungsmaßnahmen beschlossen, darunter eine Spritpreissenkung ab dem 1. Mai. Die Steuern auf Diesel und Benzin werden für zwei Monate um etwa 17 Cent pro Liter sinken. Zudem dürfen Arbeitgeber ihren Beschäftigten einen steuerfreien Bonus von bis zu 1.000 Euro zahlen, um die finanzielle Belastung abzufedern.
Markus Demary, Geldpolitik-Experte des IW, fordert weitere Unterstützung für einkommensschwache Haushalte. Er schlägt vor, die Entfernungspauschale anzuheben, um die Belastung zu verringern. Gleichzeitig schließt das IW nicht aus, dass die EZB – ähnlich wie 2022 – eingreifen müsste, sollte die Inflation weiter steigen.
Deutschland steht damit vor einer doppelten Herausforderung: hartnäckig hohe Inflation und schwache Konjunktur. Die temporären Steuersenkungen und Bonuszahlungen der Regierung sollen zwar Entlastung bringen, doch könnten langfristige Lösungen nötig sein. Angesichts der steigenden Inflationsprognosen müssen Politik und EZB abwägen, wie sie Preisstabilität sichern können, ohne die wirtschaftliche Erholung zu gefährden.






