Energiekrise trifft Deutschland: Warum die Abhängigkeit vom Ausland erneut zum Problem wird
Caren Paffrath100 Jahre Energiepreisschocks: Eine kurze Geschichte der deutschen Energiepolitik - Energiekrise trifft Deutschland: Warum die Abhängigkeit vom Ausland erneut zum Problem wird
Deutschlands Energiepolitik steht vor einer weiteren schweren Bewährungsprobe, nachdem der US-israelische Angriff auf den Iran die Spritpreise in die Höhe getrieben hat. Die Krise durchkreuzt die Hoffnungen der Regierung auf stetiges Wirtschaftswachstum und legt alte Schwachstellen in der Energieversorgung des Landes schonungslos offen. Angesichts drohender Proteste und unter Druck geratener Industrien kämpft die Politik nun um schnelle Lösungen.
Energiepreisschocks haben Deutschland immer wieder getroffen und die tiefgreifenden Risiken der Abhängigkeit von externen Lieferanten offengelegt. Schon in den 1950er-Jahren scheiterten preisgetriebene Strategien in Krisenzeiten – ein Muster, das sich seither wiederholt. Die Ölkrise von 1973 zwang das Land, sich von sowjetischem und später russischem Gas zu lösen, das vor dem Ukraine-Krieg 2022 noch 55 Prozent der Importe ausmachte. Seither bezieht Deutschland Erdgas aus Norwegen und den Niederlanden sowie zunehmend Flüssiggas (LNG) aus den USA, Katar und dem Nahen Osten. Bis Ende 2022 war russisches Gas vollständig ersetzt – heute stammt rund 30 Prozent der Lieferungen aus Norwegen, 20 Prozent kommen als US-LNG.
Doch Diversifizierung bedeutet nicht Unabhängigkeit – sie verlagert die Abhängigkeit nur. Geopolitische Umbrüche, von den 1970er-Jahren bis heute, zeigen: Die Energiesicherheit bleibt brüchig, solange die Versorgungsketten außerhalb deutscher Kontrolle liegen. Frühere Krisen schufen zwar auch Chancen, etwa für neue Märkte oder politische Initiativen. Doch kurzfristige Maßnahmen, um die öffentliche Wut zu besänftigen oder die Wirtschaft zu stabilisieren, überdecken oft nur strukturelle Defizite.
Der jüngste Preisschub könnte Verbraucher auf die Straße treiben und Unternehmen zu Entlassungen, Standortverlagerungen oder sogar Schließungen zwingen. Die Geschichte lehrt: Solche Krisen sind für eine Industrienation wie Deutschland kein Ausnahmezustand, sondern eine wiederkehrende Herausforderung. Ohne eine langfristige Strategie statt bloßer Reaktionen auf den nächsten Schock wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die nächste Energiekrise zuschlägt.






