07 May 2026, 22:10

Historiker Möller warnt vor oberflächlichen Geschichtsvergleichen in der Politik

Altes Buch mit dem Titel "Beobachtungen Historico-Politica in Instrumentum Pacis" geöffnet auf einer Seite mit schwarzer Tinte und einem dekorativen Rand.

Historiker Möller warnt vor oberflächlichen Geschichtsvergleichen in der Politik

Der Historiker Horst Möller hat sich zu der häufigen Verwendung historischer Vergleiche in aktuellen politischen Debatten geäußert. Seine Stellungnahme erfolgt vor dem Hintergrund, dass Magazine wie Stern und Der Spiegel Donald Trump weiterhin in provokanter Weise darstellen und dabei Parallelen zu NS-Bildmotiven ziehen. Möller warnt vor simplen Analogien, da diese oft den entscheidenden Kontext außer Acht ließen.

Kritisch merkt Möller an, dass in der öffentlichen Diskussion häufig einzelne historische Elemente isoliert herausgegriffen würden, statt ganze Ereignisse zu betrachten. Als Beispiele nennt er das Stern-Titelbild, das Trump mit Hitlergruß unter der Schlagzeile „Sein Kampf“ zeigt – eine offensichtliche Anspielung auf Hitlers „Mein Kampf". Auch Der Spiegel griff zu auffälligen Bildmotiven, etwa Trump als Komet, der auf die Erde zurast, oder mit dem abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue in der Hand.

Doch nicht nur in den Medien, auch im öffentlichen Diskurs würden immer wieder historische Vergleiche bemüht, so Möller. Gegner der Corona-Maßnahmen seien mit Sophie Scholl gleichgesetzt worden, während Putin und die deutsche Regierung häufig mit Hitler und dem SED-Regime der DDR verglichen würden. Solche Gegenüberstellungen bergen laut Möller jedoch die Gefahr, komplexe Realitäten zu vereinfachen.

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Beim Vergleich der Weimarer Republik mit dem heutigen Deutschland räumt er zwar gewisse Parallelen ein – etwa Entwicklungs- und Legitimationskrisen –, betont jedoch, dass diese in völlig anderem Ausmaß stattfanden. Zugleich lehnt er die Vorstellung eines „deutschen Sonderwegs“ in die Diktatur ab. Schließlich seien auch andere Demokratien in Krisenzeiten gescheitert, ohne denselben Pfad eingeschlagen zu haben.

Zur Einordnung des Aufstieg der Alternative für Deutschland (AfD) argumentiert Möller, dass die Bezeichnung „faschistisch“ aus historischer Perspektive nicht zutreffe. Im Gegensatz zu faschistischen Bewegungen der Vergangenheit fehle der AfD ein „Führerkult“ – ein zentrales Merkmal solcher Regime. Er unterstreicht, dass historische Urteile erst gefällt werden sollten, wenn sich die Ereignisse vollständig entfaltet und ihre langfristigen Folgen gezeigt hätten.

Möllers Warnungen verdeutlichen die Risiken voreiliger historischer Vergleiche. Während provokante Bilder und Rhetorik die öffentliche Debatte prägen, plädiert er für einen besonneneren Umgang mit Geschichte – einen, der den vollständigen Kontext berücksichtigt, statt sich auf isolierte Symbole zu stützen. Seine Position erinnert daran, dass Geschichte komplex ist und Vergleiche einer sorgfältigen Analyse bedürfen.

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