Warum das Misstrauen in die Demokratie wächst – und wer davon profitiert
Beatrix FiebigWarum das Misstrauen in die Demokratie wächst – und wer davon profitiert
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum das Misstrauen gegenüber der Demokratie wächst. In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie Menschen das Vertrauen in staatliche Institutionen, Gerichte, die Wissenschaft und die Medien verlieren. Seine Erkenntnisse werfen auch ein Licht auf den Aufstieg von Bewegungen wie der AfD und Persönlichkeiten wie Donald Trump.
El-Mafaalani argumentiert, dass misstrauische Menschen sich zunehmend mit Gleichgesinnten verbünden, die ihre Skepsis teilen. Diese Gruppen, die er als "Gemeinschaften des Misstrauens" bezeichnet, können sich dank digitaler Medien heute leichter vernetzen und ihre Ansichten online organisieren und verstärken – ein Novum in der Geschichte.
Laut seinen Forschungen schwächen populistische Strategen gezielt das Vertrauen in demokratische Institutionen. Dadurch entsteht ein Nährboden für Parteien wie die AfD, die sich durch ihre Ablehnung der liberalen Demokratie definieren. Die 2013 als euroskeptische Kraft gegründete AfD hat sich mittlerweile auf anti-migrantische Politik und Identitätspolitik verlagert. Ihre Anhänger rekrutieren sich zunehmend aus der Arbeiterschicht, Arbeitslosen und Protestgruppen – insbesondere in Ostdeutschland –, die sich von der etablierten Politik abgehängt fühlen.
El-Mafaalani warnt, dass bloße Enthüllungen über die Inkompetenz der AfD bei ihren Anhängern kein Vertrauen in die Demokratie zurückbringen werden. Die Taktiken der Partei – die Verbreitung von Verschwörungstheorien in sozialen Medien, die Ansprache misstrauischer Gemeinschaften über TikTok-Influencer sowie Bündnisse mit anti-establishment-Gruppen – haben die gesellschaftlichen Spaltungen weiter vertieft. Seine Arbeit legt nahe, dass herkömmliche Strategien gegen Populismus möglicherweise nicht mehr ausreichen.
El-Mafaalanis Analyse zeigt, wie sich Misstrauen ausbreitet und zu politischen Bewegungen verfestigt. Seine Erkenntnisse deuten auf neue Wege hin, um die Herausforderung durch den Rechtspopulismus zu bewältigen. Das Buch bietet einen Rahmen, um den Schwund demokratischen Vertrauens zu verstehen – und ihm möglicherweise entgegenzuwirken.






