Deutschlands Theater kämpfen mit leeren Rängen trotz Rekordbesuch – Fördermodell in der Kritik
Caren PaffrathDeutschlands Theater kämpfen mit leeren Rängen trotz Rekordbesuch – Fördermodell in der Kritik
Deutschlands kommunales Theatersystem steht unter Druck – viele Häuser kämpfen mit schwacher Zuschauerresonanz
Trotz steigender Besucherzahlen in den letzten Jahren spielen viele subventionsabhängige Theater oft vor halb leeren Rängen. Kritiker bemängeln, dass das aktuelle Fördermodell weder die tatsächliche Nachfrage des Publikums noch die künstlerische Qualität ausreichend widerspiegelt.
In der Spielzeit 2023/24 verzeichneten die öffentlich finanzierten Theater einen Anstieg der Betriebseinnahmen um 17 Prozent, während die Gesamtbesucherzahlen um 13 Prozent auf 25,3 Millionen stiegen. Spitzeninstitutionen wie die Bayerische Staatsoper übertrafen sogar die Zahlen von vor der Pandemie und erreichten eine Auslastung von 99 Prozent. Dennoch macht der Kartenerlös nur einen geringen Teil der Budgets aus – etwa 7 Prozent an Münchens Kammerspielen und 25 Prozent am Theater in der Josefstadt in Wien.
Das Problem liegt in einer Förderstruktur, die Theater vor finanziellen Konsequenzen abschirmt. Schon Goethe warnte vor solchen Systemen, in denen die Leitung keinen Anreiz hat, Zuschauer anzuziehen. Als mögliche Lösung wird das "Hebel-Fördermodell" diskutiert: Dabei würde die öffentliche Förderung an den Kartenverkauf gekoppelt – und zwar über einen festgelegten Multiplikator. Die Grundsicherung und der Multiplikator ließen sich für jedes Haus individuell anpassen, um hohe Besucherzahlen zu belohnen und schwache Programmplanung zu sanktionieren.
Kulturpolitiker müssten jedoch eng mit den Theaterleitungen zusammenarbeiten, um künstlerische Standards zu wahren. Ohne entsprechende Schutzmechanismen bestünde die Gefahr, dass Marktkräfte dominieren und experimentelle oder Nischenproduktionen vernachlässigt werden.
Die Schwächen des aktuellen Systems sind offenkundig: Steigende Einnahmen und Besucherzahlen haben die chronische Unterauslastung nicht behoben. Ein an den Ticketverkauf gekoppeltes Fördermodell könnte Theater dazu bringen, ihr Publikum gezielter anzusprechen. Die Umsetzung erfordert jedoch einen sorgfältigen Ausgleich, um künstlerische Vielfalt zu bewahren und gleichzeitig finanzielle Verantwortung zu stärken.






