Kontroverse um palästinensische Künstlerin spaltet Medienfestival in Osnabrück
Heinz-Walter Koch IIKontroverse um palästinensische Künstlerin spaltet Medienfestival in Osnabrück
Die Teilnahme einer palästinensischen Künstlerin an einem deutschen Medienfestival hat eine Kontroverse über Antisemitismusvorwürfe und die Unterstützung der BDS-Bewegung ausgelöst. Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück sieht sich mit Kritik konfrontiert, weil es den Kurzfilm Morning Circle der Filmemacherin Dima Al-Sharif in sein Programm aufgenommen hat. Lokale Politiker und Behörden distanzieren sich von der Veranstaltung, während die Festivalverantwortlichen ihre Entscheidung als Teil einer breiteren Debatte über künstlerische Freiheit verteidigen.
Die Auseinandersetzung spielt sich vor dem Hintergrund der anhaltenden Spannungen in Deutschland um die Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionen-Bewegung (BDS) ab, die von Kritikern mit antisemitischer Rhetorik in Verbindung gebracht wird, während Befürworter sie als gewaltfreien Protest gegen die israelische Politik darstellen. Im Mittelpunkt des Streits stehen nicht Al-Sharifs Film, sondern ihre Aktivitäten in sozialen Medien. Einige ihrer Beiträge, darunter ein Halloween-Foto, wurden von Kritikern als antisemitisch interpretiert, doch der künstlerische Leiter des Festivals bezeichnet sie als mehrdeutig und unterschiedlich deutbar. Osnabrücks Kulturdezernent Wolfgang Beckermann erklärte, er hätte es vorgezogen, ihr Werk aus dem Programm zu nehmen, um jeden Anschein der Förderung von Antisemitismus zu vermeiden. Gleichzeitig distanzierten sich Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und die Stadtverwaltung öffentlich vom EMAF wegen dieser Entscheidung.
Das Festival selbst rechtfertigt die Aufnahme des Films mit seinem diesjährigen Motto Eine unvollständige Versammlung, das das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit und Verantwortung auslotet. Die Veranstalter weisen darauf hin, dass das EMAF in der Vergangenheit bereits mit palästinensischen Künstlern zusammengearbeitet habe, aber auch jüdische und israelische Stimmen in seinen Programmen vertreten seien. Thomas Groß, der Oberbürgermeisterkandidat der Linken in Osnabrück, argumentierte, dass palästinensische Perspektiven nicht unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung zum Schweigen gebracht werden dürften.
Die Kontroverse spiegelt die größeren Spannungen in Deutschland um die BDS-Bewegung wider, die 2005 von der palästinensischen Zivilgesellschaft ins Leben gerufen wurde. Inspiriert von der Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika, fordert BDS Boykotte, Kapitalabzüge und Sanktionen gegen Israel. Während Gruppen wie BDS Berlin und die Studierendenvertretung der Hertie School die Bewegung unterstützen, sieht sie sich in Deutschland weitreichender Unterdrückung ausgesetzt. Kritiker werfen ihr vor, Antisemitismus an Universitäten zu schüren, während Befürworter auf ihren gewaltfreien Ansatz und frühere Erfolge verweisen – etwa Kampagnen, die Unternehmen wie Veolia bis 2015 Milliarden gekostet haben.
Das EMAF hat Al-Sharifs Film nicht aus dem Programm genommen, und das Festival findet wie geplant statt. Staatsvertreter betonen zwar, sie respektierten die Programmentscheidungen der Veranstalter, wiederholen aber ihre Ablehnung von Antisemitismus in jeder Form. Der Vorfall unterstreicht die anhaltenden Debatten darüber, wo künstlerischer Ausdruck endet und politische Botschaften beginnen – insbesondere im Kontext des israelisch-palästinensischen Konflikts.






