Theater hinter Gittern: Wie DNA junge Häftlinge in Wiesbaden verändert
Stjepan HeinrichTheater hinter Gittern: Wie DNA junge Häftlinge in Wiesbaden verändert
Ein einzigartiges Theaterprojekt in der Jugendstrafanstalt Wiesbaden sorgt erneut für Aufmerksamkeit – diesmal mit der kraftvollen Inszenierung des modernen Klassikers DNA
An einem kürzlichen Abend versammelten sich rund 80 Zuschauer, um sich die diesjährige Aufführung von DNA anzusehen, einem zeitgenössischen Meisterwerk des Jugendtheaters. Das unter der Regie von Matze Vogel stehende Stück ist ein weiterer Erfolg innerhalb eines Programms, das jungen Inhaftierten helfen soll, Fähigkeiten für ein Leben nach der Haft zu entwickeln.
Die Theaterinitiative der Justizvollzugsanstalt besteht bereits seit Jahren, wobei jährlich eine große Produktion auf die Bühne gebracht wird. Jede Vorstellung ist innerhalb weniger Tage ausverkauft – ein Beweis für ihre Beliebtheit sowohl innerhalb als auch außerhalb der Anstalt. Seit 2013 verfügt das Gefängnis über eine eigene Studiobühne, die in einer deutschen Justizvollzugsanstalt einzigartig ist.
Die diesjährige Wahl fiel auf DNA des britischen Dramatikers Dennis Kelly, das 2007 am Royal National Theatre in London uraufgeführt wurde. Die Themen Moral und Identität des Stücks finden bei den jungen Darstellern besonderen Anklang. Ein Schauspieler, J., beschreibt seine Erfahrungen schlicht: "Theater macht mich frei." Ein anderer, E., erklärt, wie ihn das Hineinschlüpfen in verschiedene Rollen dabei unterstützt, die eigenen Emotionen besser zu verstehen.
Hinter den Kulissen trägt ein engagiertes Team zum Gelingen des Projekts bei. Die Kostümbildnerin Nathalie Meyer arbeitet bereits seit einem Jahrzehnt mit der Gruppe zusammen und sorgt dafür, dass die Darsteller bei der Gestaltung ihrer Kostüme und der Bühnenelemente mitwirken. B., der für die technische Umsetzung verantwortlich ist, schätzt die Verantwortung, bleibt aber lieber im Hintergrund.
Das Theater ist nur ein Baustein eines umfassenderen Resozialisierungsprogramms der Anstalt. Neben der Schauspielarbeit können die Inhaftierten berufliche Qualifikationen in Bereichen wie Handwerk, Logistik und IT erwerben sowie Schulunterricht besuchen, psychologische Betreuung in Anspruch nehmen und sich auf Vorstellungsgespräche vorbereiten. Ziel dieser Maßnahmen ist es, sie auf ein verantwortungsbewusstes Leben nach der Entlassung vorzubereiten.
Die jährliche Theaterproduktion in der Jugendstrafanstalt Wiesbaden bleibt sowohl ein künstlerischer Höhepunkt als auch ein Schritt in Richtung Resozialisierung. Mit ausverkauften Vorstellungen und wachsendem Renommee zeigt das Projekt, wie kreative Ausdrucksformen die persönliche Entwicklung fördern können. Für die beteiligten jungen Häftlinge bietet die Erfahrung eine seltene Chance, Selbstvertrauen aufzubauen, Emotionen zu erkunden und sich auf ein Leben jenseits der Gefängnismauern vorzubereiten.






